Es gibt Orte, die kann man nicht erklären. Man kann sie zeigen, fotografieren, vielleicht sogar in Worte fassen aber wirklich verstehen kann man sie nur, wenn man sie selbst erlebt hat.
Unser Baum ist so ein Ort. Mitten in den Muldewiesen steht eine alte Eiche. Kein besonderer Punkt auf der Karte, kein Ziel für Ausflüge. Und trotzdem ist genau dieser Baum für uns einer der wichtigsten Orte in unserer Heimat überhaupt.
Er stand schon dort, whrscheinlich lange bevor wir geboren wurden.
Er hat unzählige Hochwasser überstanden, Stürme, trockene Sommer und auch kalte Winter. Und irgendwo dazwischen waren wir. Ich glaube wir kannte uns damals noch gar nicht und trotzdem weckte dieser Baum in uns beiden Erinnerungen.
Als Kinder war dieser Baum natürlich noch kein Motiv. Er war ein Klettergerüst. Ein Treffpunkt mit Freunden aber ich war auch oft alleine oder mit meinen Eltern dort. Es war einfach ein Ort, an dem man sich versteckt hat, an dem man hochgeklettert ist, obwohl man es vielleicht gar nicht durfte. Einige Hosen gingen dort kaputt oder bekamen später einen Aufnäher aufs Knie. Ich weiß ich habe dort früher oft Gänseblümchen gepflückt. Einfach so, mit kleinen Händen, ohne darüber nachzudenken, nur um sie später mit nach Hause zu bringen. Für Mutti. Weil das damals irgendwie wichtig war.
Es war diese Zeit, in der noch nichts geplant war. Man musste noch nicht funktionieren. Ich hatte keine Kamera, kein Gedanke daran, etwas festhalten zu müssen. Es ging einfach ums draußen sein.
Ja, manchmal war da dieser Geruch. Wenn der Wind ungünstig stand, zog der schwere, fast stechende Geruch der Mulde über die Wiesen. Heute würde man wahrscheinlich die Nase rümpfen. In der Ferne standen die Schornsteine aus denen bunter Dampf empor stieg und da wo heute einer der schönsten Seen Sachsen-Anhalts ist, da quitschten damals die Kohlebagger des Tagebau Goitzsche. Damals war das so einfach normal. Es gehörte dazu. So wie dreckige Schuhe, aufgeschürfte Knie und dieses Gefühl, den ganzen Tag draußen gewesen zu sein. Wir waren glücklich, glückliche Kinder an einem Ort der schon damals für mich sehr besonders war.
Der Baum war schon als Kind ein Teil von uns, unserer Heimat unserer liebe zur Natur. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Vielleicht ist damals schon meine Liebe zu den Muldewiesen, zur Mulde selbst und der Natur entstanden. Es wäre ein leichtes das jetzt zu behaupten aber ganz ehrlich ich weiß es nicht mehr.
Heute ist dieser Ort etwas anders. Wenn wir heute dort stehen, dann ist es ruhiger geworden. Nicht unbedingt um uns herum, sondern in uns. Wir laufen nicht mehr einfach vorbei oder klettern hoch. Wir bleiben stehen.
Schauen nach oben in die Krone. Sehen das Licht, das sich seinen Weg durch die Äste sucht. Nehmen Strukturen wahr, die uns früher nie interessiert haben.
Und irgendwann kommt ganz automatisch dieser Moment, in dem heute die Kamera, die immer dabei ist, in die Hand wandert. Nicht, weil wir müssen. Sondern weil wir es wollen, weil es sich richtig anfühlt.
Es ist zu einem festen Teil unserer Touren in die Muldewiesen geworden. Egal wann wir dort sind, im Sommer, wenn die Schafe unter den Ästen Schatten suchen und alles lebendig wirkt. Im Herbst, wenn das Licht weich wird und die Farben ruhiger werden oder im Winter, wenn der Baum nackt in der Landschaft steht und seine ganze Form zeigt. Oder aber an diesen besonderen Morgen, wenn Nebel durch die Muldewiesen zieht und das Licht fast surreal wirkt…
Wir machen ein Bild. Immer. Und trotzdem ist kein Bild wie das andere. Nicht, weil wir den Baum jedes Mal neu inszenieren.
Sondern weil der Moment jedes Mal ein anderer ist. Mal ist es das Licht, das alles trägt. Mal die Stimmung, die sich kaum erklären lässt. Und manchmal ist es einfach nur dieses Gefühl, wieder da zu sein.
Es gibt Tage, da passiert nichts Besonderes. Kein spektakulärer Himmel, kein perfekter Sonnenaufgang. Und trotzdem bleibt man stehen. Und trotzdem drückt man den Auslöser.
Weil genau das die echten Momente sind. Fotografie bedeutet für uns nicht mehr, ständig neue Orte zu suchen. Nicht immer spektakulärer, nicht immer weiter, nicht immer besser. Es geht uns heute um etwas ganz anderes.
Es geht darum, einen Ort zu haben, zu dem man immer wieder zurückkehrt. Einen Ort, der mehr ist als das, was man sieht. Unser Baum ist genau das. Er ist kein außergewöhnliches Motiv. Er steht nicht allein wegen seiner Form oder Größe im Mittelpunkt. Aber er trägt alles, was wir mit ihm verbinden.
Die Kindheit. Die Leichtigkeit von damals. Die kleinen Dinge, die man heute oft vergisst. Und genau deshalb fotografieren wir ihn immer wieder. Nicht, um den Baum festzuhalten. Sondern um das festzuhalten, was er für uns bedeutet.
Vielleicht ist genau das der Unterschied. Man kann einen schönen Baum fotografieren. Oder man kann einen Ort fotografieren, der Teil der eigenen Geschichte ist. Und genau das spürt man. Dieser Baum ist für uns nicht einfach nur ein Motiv. Er ist Erinnerung.
Er ist Ruhe. Er ist ein Stück von uns selbst. Und genau deshalb kommen wir immer wieder zurück.
Und drücken immer wieder ab.
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