Ich beschäftige mich ja schon länger mit DaVinci Resolve und natürlich auch mit den Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz mittlerweile beim Videoschnitt bietet. Vieles davon war bisher interessant, manches praktisch und einiges ehrlich gesagt eher Spielerei.
Aber das, was Blackmagic Design mit DaVinci Resolve Studio 21.1 eingebaut hat, fühlt sich für mich anders an.
Denn seit dieser Version können externe KI-Assistenten direkt mit DaVinci Resolve kommunizieren. Und nachdem ich die ersten Dinge damit ausprobiert habe, muss ich sagen:
Ich stehe mit meinen Tests noch ganz am Anfang. Trotzdem habe ich bereits mit der Sortierung von Material, dem Schnitt passend zum Takt der Musik und sogar mit Colorgrading experimentiert. Und genau dabei ist mir langsam klar geworden, welches Potenzial hier eigentlich drinsteckt.
Für mich könnte das tatsächlich die Art verändern, wie ich in Zukunft meine Videos produziere.
DaVinci Resolve Studio 21.1 besitzt einen integrierten MCP-Server. MCP steht für Model Context Protocol. Vereinfacht gesagt entsteht damit eine Schnittstelle zwischen einem KI-Assistenten und DaVinci Resolve. Das Entscheidende dabei ist: Die KI erklärt einem nicht mehr nur, wie man etwas in Resolve machen könnte. Sie kann tatsächlich mit dem geöffneten Projekt arbeiten. Man kann also in natürlicher Sprache Aufgaben beschreiben und der KI-Assistent kann über die von Resolve bereitgestellten Schnittstellen entsprechende Aktionen im Projekt ausführen.
Blackmagic selbst nennt beispielsweise das Analysieren von Projekten, das Organisieren von Medien, Änderungen an Einstellungen oder das automatisierte Rendern mehrerer Dateien als mögliche Einsatzbereiche. Auch Highlight-Schnitte aus längerem Material oder das Entfernen unerwünschter Clips gehören zu den Beispielen.
Damit wird aus einem Chatbot plötzlich ein Assistent für den Videoschnitt. Und das ist ein ziemlich gewaltiger Unterschied.
Genau das ist für mich momentan der spannendste Punkt. Ich kann ChatGPT beziehungsweise ChatGPT Codex Aufgaben rund um mein geöffnetes Resolve-Projekt geben und bekomme nicht einfach irgendeine theoretische Antwort zurück. Der Assistent kann Informationen aus dem Projekt abrufen und Funktionen von Resolve ansprechen. Plötzlich sind Anweisungen denkbar wie:
„Analysiere die Clips in diesem Bin und sortiere sie.“
Oder:
„Erstelle aus diesen Aufnahmen einen ersten Rohschnitt.“
Oder man beschreibt bestimmte Änderungen an Clips, Timelines, Einstellungen oder Renderaufträgen. Und dann wird es richtig interessant. Denn damit könnte sich der klassische Workflow grundlegend verändern. Bisher öffne ich einen Ordner mit vielleicht Hunderten Clips, sichte das Material, sortiere es, vergebe Farben oder Bewertungen, ziehe Clips in die Timeline, suche Musikstellen, verschiebe Schnitte, korrigiere Farben und arbeite mich Schritt für Schritt durch das Projekt.
Was passiert aber, wenn ich einen Teil dieser Vorarbeit künftig einfach beschreiben kann?
Gerade bei meinen Reisevideos entsteht unglaublich viel Material. Sony, GoPro, DJI Pocket, Drohne und inzwischen teilweise auch 360-Grad-Kameras produzieren schnell Hunderte einzelne Clips und das nich pro Reise, nein pro Tag. Das Material zu sortieren gehört deshalb zu den Dingen, die notwendig sind, kreativ aber nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen. Und genau hier wird die Verbindung zwischen KI und Resolve spannend.
Wenn ein Assistent Projektstrukturen analysieren und anschließend Medien organisieren kann, dann lässt sich ein Teil dieser Arbeit potenziell automatisieren. Natürlich werde ich einer KI nicht blind mein komplettes Projekt überlassen. Aber wenn mir das System die mechanische Arbeit abnimmt und ich anschließend nur noch kontrollieren muss, ist das bereits eine enorme Hilfe.
Noch faszinierender fand ich meinen Versuch mit Musik. Wer unsere Videos kennt, weiß, dass Musik bei uns nicht einfach nur irgendwie unter dem Bild liegt. Gerade bei Landschaftssequenzen, Drohnenaufnahmen oder dem Ein- und Auslaufen eines Schiffes versuche ich sehr bewusst auf Rhythmus, Dynamik und musikalische Höhepunkte zu schneiden.
Normalerweise bedeutet das: Musik hören, Takt suchen, Marker setzen, Clips auswählen, Schnittpunkte verschieben und immer wieder anschauen, ob Rhythmus und Bild zusammen funktionieren. Und jetzt sitze ich plötzlich davor und experimentiere damit, solche Aufgaben über ChatGPT und Resolve zu steuern. Das Ergebnis ist natürlich nicht automatisch der fertige kreative Schnitt aber es ist mehr als nur ein Anfang in einem Bruchteil der Zeit.
Also als Ausgangspunkt und Basis einfach nur Wow.
Wenn mir eine KI beispielsweise eine Struktur vorbereitet, Schnitte passend zu musikalischen Ereignissen positioniert und ich anschließend nur noch entscheide, welche Aufnahme emotional besser funktioniert, dann spare ich nicht nur Zeit. Ich kann diese Zeit genau dort investieren, wo sie meiner Meinung nach hingehört: in die Geschichte und die Wirkung des Videos.
Beim Colorgrading wurde es für mich endgültig spannend. Gerade bei unseren Videos mische ich Material unterschiedlichster Kameras. Sony, GoPro, DJI und Drohnenmaterial sehen von Haus aus teilweise völlig unterschiedlich aus. Dazu kommt Log-Material verschiedener Hersteller. Das Ziel ist am Ende aber natürlich, dass ein Video möglichst wie aus einem Guss aussieht.
Auch hier kann die neue Verbindung helfen, Arbeitsschritte über natürliche Sprache anzustoßen oder bestimmte Anpassungen im Projekt durchführen zu lassen. Das bedeutet keineswegs, dass die KI plötzlich einen erfahrenen Coloristen ersetzt. Aber sie kann zu einem unglaublich interessanten Werkzeug werden. Wenn ich künftig sagen kann, welche Richtung ich für eine Szene möchte, eine technische Grundlage automatisiert vorbereiten lasse und mich danach um den eigentlichen Look kümmere, verändert das meinen Workflow erheblich. Auch kann ich ein finales Grading von der KI direkt auf alle Dateien der selben Kamera übernehmen lassen und auch eine Belichtungskorrektur wird auf Wunsch mit übernommen. Gerade bei langen Reiseprojekten könnte das eine Menge Zeit sparen.
Genau an diesem Punkt wird die Diskussion über KI beim Videoschnitt vermutlich interessant. Will ich wirklich, dass eine künstliche Intelligenz meine Videos schneidet?Eigentlich lautet meine Antwort: Nein.
Zumindest nicht in dem Sinne, dass ich Material hineinwerfe und am Ende auf „Video fertig“ drücke. Das würde mir vermutlich sogar einen großen Teil dessen nehmen, warum ich überhaupt Videos mache. Aber ich möchte, dass die KI mir Arbeiten abnimmt, die zwischen mir und der eigentlichen kreativen Arbeit stehen.
300 Clips sortieren? Sehr gern. Einen ersten technischen Rohschnitt vorbereiten? Warum nicht? Schnittpunkte anhand eines Musikstücks setzen? Unbedingt. Wiederkehrende Einstellungen ändern? Natürlich. Renderaufträge vorbereiten? Her damit.
Wenn mir diese Dinge Zeit sparen, habe ich anschließend mehr Zeit dafür, eine Szene wirken zu lassen, die passende Aufnahme auszuwählen oder bewusst gegen einen automatisch vorgeschlagenen Schnitt zu entscheiden.
Und genau deshalb finde ich diese Entwicklung momentan so spannend.
Blackmagic Design nennt für DaVinci Resolve Studio 21.1 aktuell offiziell:
Die Kommunikation läuft über den in Resolve integrierten MCP-Server. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen bisherigen KI-Funktionen in DaVinci Resolve. IntelliSearch, Sprachgenerierung oder andere Funktionen der DaVinci Neural Engine laufen innerhalb von Resolve. Bei der neuen Assistant-Integration wird dagegen ein externer KI-Assistent zum Bediener von Resolve. Man spricht also beispielsweise mit ChatGPT oder Claude und der Assistent kann über MCP Funktionen in DaVinci Resolve aufrufen.
Hier gibt es allerdings eine entscheidende Einschränkung. Die Integration externer KI-Assistenten gehört zu DaVinci Resolve Studio 21.1. Mit der kostenlosen Version von DaVinci Resolve 21.1 steht diese Funktion nicht zur Verfügung. Wer das ausprobieren möchte, benötigt also mindestens: DaVinci Resolve Studio 21.1 oder neuer.
Je nach verwendetem KI-Assistenten können außerdem ein entsprechendes Benutzerkonto, Abonnement oder weitere Voraussetzungen des jeweiligen Anbieters notwendig sein.
Ganz verschweigen möchte ich allerdings auch nicht, dass die Einrichtung bei mir unter macOS nicht einfach aus „einschalten und fertig“ bestand. Da musste ich mich erst einmal ein wenig durchbeißen. Resolve bietet unter Datei → Setup AI Assistants die entsprechende Konfiguration an. Trotzdem müssen natürlich auch der jeweilige KI-Client und dessen Verbindung zu Resolve korrekt eingerichtet sein.
Gerade wenn man mit Begriffen wie MCP, Clients, Servern oder Konfigurationsdateien bisher wenig anfangen konnte, wirkt das zunächst komplizierter, als man es von einer klassischen Programmfunktion gewohnt ist.
Aber: Es funktioniert jetzt.
Und spätestens in dem Moment, in dem der KI-Assistent tatsächlich Informationen aus dem eigenen Resolve-Projekt zurückliefert, wird aus der ganzen theoretischen Technik plötzlich etwas sehr Reales. Da sitzt man dann schon kurz vor dem Bildschirm und denkt: Moment mal … das Ding arbeitet gerade wirklich mit meinem Projekt.
Ich möchte allerdings ausdrücklich dazusagen, dass ich die Integration gerade erst ausprobiere. Das hier soll deshalb kein abschließender Test sein. Dafür wäre es viel zu früh. Momentan probiere ich aus, was zuverlässig funktioniert, wo Grenzen liegen und vor allem, bei welchen Arbeiten die KI meinen Workflow tatsächlich verbessert. Sortierung, Schnitt zur Musik und erste Versuche rund um das Colorgrading haben mir aber bereits gezeigt, dass hier wesentlich mehr dahintersteckt als eine kleine zusätzliche KI-Spielerei. Und genau deshalb bin ich gerade ziemlich begeistert davon.
Vielleicht ist das für mich sogar die interessanteste Frage. Nicht: Kann KI Videos schneiden? Sondern: Was kann ich anders machen, wenn mir KI einen Teil der technischen Arbeit abnimmt?
Vielleicht kann ich aufwendigere Sequenzen bauen. Vielleicht kann ich mehr Material sinnvoll verwenden. Vielleicht kann ich Varianten eines Schnittes ausprobieren, für die mir bisher schlicht die Zeit fehlte. Oder ich kann bei einer zwei- oder dreißigminütigen Reisefolge mehr Zeit in Atmosphäre, Musik, Rhythmus und Story investieren, weil Sortierung und andere Routinearbeiten vorher schon erledigt wurden. Dann würde KI meine Videos eben nicht zwangsläufig künstlicher machen.
Im besten Fall könnte sogar das Gegenteil passieren: Ich hätte mehr Zeit für die Teile eines Videos, bei denen der Mensch den Unterschied macht. Und wenn das funktioniert, dann könnte DaVinci Resolve Studio 21.1 für meinen persönlichen Workflow tatsächlich eines der spannendsten Updates der letzten Jahre sein.
Ich werde damit auf jeden Fall weiter experimentieren. Denn wenn meine ersten Versuche nur ansatzweise zeigen, was damit zukünftig möglich sein wird, dann stehen wir beim Videoschnitt gerade vor einer ziemlich gewaltigen Veränderung.
actioncam aida aidamar Anhalt ausleuchtung Bitterfeld chatgpt Chatgpt und photoshop codex DJI Mic 3 DJI Neo 2 DJI RS 4 Mini ersteindruck Fotobuch Professional Line Fotoprodukte fotospot Geschichte GoPro 13 GoPro Max 2 gopro mission 1 pro hamburg hobbyfotografie Kase 85mm F1.4 ki kreuzfahrt leidenschaft lightroom classic lightroom ki location Mulde Muldewiese Natur erleben norwegen open ai ostsee Review Saal Digital Sachsen-Anhalt schweden smallrig Sony FE 16mm F1.8 G Sony FE 100mm Macro F2.8 GM Sony ZV-E1 videoschnitt wandern