Die Auswahl und Entwicklung einer größeren Fotoserie besteht aus vielen wiederkehrenden Arbeitsschritten. Ähnliche Aufnahmen müssen verglichen, technische Schwächen beurteilt und unterschiedliche Lichtverhältnisse ausgeglichen werden. Anschließend soll die Serie möglichst einheitlich wirken, ohne dass jedes Bild dieselben Einstellungen erhält.
Nachdem ich bereits mit der Steuerung von DaVinci Resolve über ChatGPT experimentiert habe und fasziniert bin von den Möglichkeiten aber auch von den Ergebnissen, beschäftige ich mich inzwischen auch mit einer entsprechenden Anbindung von Lightroom Classic. In meinem derzeitigen Aufbau übernimmt OpenAI Codex die Steuerung. Die Verbindung zu Lightroom erfolgt über einen MCP-Server.
Damit lassen sich bereits Teile der Bildauswahl und Entwicklung durch Anweisungen in normaler Sprache erledigen. Dieser Artikel beschreibt meinen aktuellen Aufbau, den praktischen Ablauf und die Grenzen, die sich bisher gezeigt haben. Die beschriebenen Ergebnisse beziehen sich auf meine Einrichtung und meine eigenen Tests.
Mein Aufbau läuft auf einem Mac und verbindet Lightroom Classic mit Codex im Terminal. MCP steht für „Model Context Protocol“. Über diese Schnittstelle kann Codex externe Werkzeuge aufrufen, die der jeweilige MCP-Server bereitstellt. Die grundsätzliche Unterstützung solcher Verbindungen ist in der offiziellen OpenAI-Dokumentation beschrieben.
Für Lightroom bedeutet das: Die Anbindung stellt bestimmte Funktionen zur Verfügung, etwa zum Lesen von Bildinformationen oder zum Ändern von Entwicklungseinstellungen. Codex kann diese Funktionen anhand meiner Anweisungen nutzen. Die Änderungen werden anschließend in Lightroom sichtbar.
Welche Möglichkeiten bestehen, hängt vom verwendeten Server und seiner Lightroom-Anbindung ab. MCP allein sorgt noch nicht dafür, dass sämtliche Funktionen einer Anwendung steuerbar sind. Entscheidend ist, welche Werkzeuge die konkrete Integration bereitstellt.
Auch Bildanalyse und Steuerung sind unterschiedliche Aufgaben: Um eine Aufnahme beurteilen zu können, benötigt die KI eine geeignete Bildansicht. Um anschließend Einstellungen zu verändern, braucht sie Zugriff auf die entsprechenden Lightroom-Funktionen.
Die Einrichtung habe ich mit Unterstützung von ChatGPT vorgenommen. Dabei mussten mehrere Komponenten zusammenarbeiten: Codex, die Lightroom-Anbindung und die lokale Umgebung, in der die Verbindung ausgeführt wird.
Die wesentlichen Schritte waren:
Für den täglichen Einsatz habe ich mir eine Startroutine gebaut, die ich über macOS-Kurzbefehle aufrufen kann. Sie startet Lightroom Classic und anschließend Codex im Terminal mit der vorbereiteten Umgebung. Dadurch muss ich die einzelnen Startschritte nicht bei jeder Sitzung wiederholen.
Dieser Komfortschritt kommt erst nach der eigentlichen Einrichtung. Wichtig ist zunächst, dass die Verbindung zuverlässig funktioniert und Codex auf den richtigen Katalog beziehungsweise die gewünschten Bilder zugreift.
Bei der Auswahl lasse ich die Bilder zunächst farblich markieren. Danach prüfe ich die vorgeschlagene Einordnung selbst. Automatisches Löschen gehört bewusst nicht zu meinem üblichen Ablauf, ist aber technisch möglich.
In meinen bisherigen Tests nutze ich die Analyse unter anderem für folgende Aufgaben:
Die Farbmarkierungen machen die vorgeschlagene Auswahl in Lightroom übersichtlich. Dabei lege ich möglichst konkret fest, welche Bedeutung eine Farbe haben soll und welche Kriterien für die Auswahl wichtig sind.
Eine Anweisung könnte beispielsweise lauten:
Prüfe die ausgewählten Bilder auf Schärfe am Hauptmotiv, Bewegungsunschärfe und geschlossene Augen. Markiere technisch problematische Aufnahmen rot. Vergleiche ähnliche Motive und berücksichtige bei der Auswahl auch unterschiedliche Perspektiven. Lösche keine Bilder.
Gerade bei ähnlichen Aufnahmen hilft es, die Prioritäten vorzugeben. Soll hauptsächlich die technische Qualität entscheiden? Sollen unterschiedliche Blickwinkel erhalten bleiben? Gibt es bestimmte Personen oder Motive, die auf jeden Fall vorkommen sollen?
Eine technisch schwächere Aufnahme kann für mich persönlich wichtiger sein als ein schärferes Bild. Vielleicht zeigt sie einen besonderen Moment oder hat eine emotionale Bedeutung. Diese Zusammenhänge kennt die KI nur, wenn ich sie beschreibe. Die abschließende Auswahl bleibt deshalb bei mir.
Interessant ist, dass ich eine Markierung direkt hinterfragen kann. Wurde ein Bild als technisch problematisch eingeordnet, frage ich beispielsweise:
Warum hast du Bild XY rot markiert, und was hätte ich bei der Aufnahme besser machen können?
Ergänze ich die Aufnahmesituation, entstehen daraus häufig hilfreiche Hinweise. Bei einem bewegten Motiv geht es möglicherweise um eine kürzere Verschlusszeit oder eine passendere Fokusmethode. In anderen Fällen können Blende, Schärfentiefe oder die Wahl des Fokuspunktes eine Rolle spielen.
Dabei behandle ich die Erklärung als Einschätzung, die ich am Bild überprüfe. Eine sichtbare Unschärfe lässt sich nicht immer eindeutig einer Ursache zuordnen. Außerdem kann sie bewusst eingesetzt worden sein.
Für mich ergibt sich daraus eine praktische Form der Bildbesprechung: Ich erhalte Rückmeldungen zu meinen eigenen Aufnahmen und kann überlegen, was ich in einer vergleichbaren Situation beim nächsten Mal anders ausprobieren möchte.
Nach der Auswahl folgt die Entwicklung. Auch hier formuliere ich das gewünschte Ergebnis in normaler Sprache. Eine typische Anweisung ist:
Entwickle alle Bilder ohne Farbmarkierung in einem natürlichen Stil. Passe Belichtung, Kontrast, Weißabgleich und Sättigung jeweils passend zum Motiv an.
In meinem Aufbau lassen sich zahlreiche Einstellungen der globalen Entwicklung verändern. Dazu gehören neben den grundlegenden Tonwert- und Farbeinstellungen auch HSL-Anpassungen und Gradationskurven.
Der Begriff „natürlich“ beschreibt allerdings keinen objektiv festgelegten Look. Deshalb wird das Ergebnis besser nachvollziehbar, wenn ich meine Vorstellungen ergänze: beispielsweise zurückhaltende Sättigung, glaubwürdige Hauttöne, erkennbare Zeichnung in hellen Bereichen und keine übermäßig aufgehellten Schatten.
Ich kann außerdem Zuschnitte erlauben und eine Mindestauflösung vorgeben. So lässt sich der Bildausschnitt bei Bedarf stärker auf das Hauptmotiv ausrichten, während genügend Auflösung für die geplante Verwendung erhalten bleiben soll. Auch diese Entscheidungen kontrolliere ich anschließend selbst.
Für einen einheitlichen Look hat sich bei mir ein Referenzbild bewährt. Zunächst lasse ich eine einzelne Aufnahme entwickeln. Falls nötig, korrigiere ich das Ergebnis, bis es meinen Vorstellungen entspricht.
Danach wähle ich die übrigen Bilder aus und gebe etwa diese Anweisung:
Entwickle die ausgewählten Bilder im gleichen Stil wie das Referenzbild. Passe Belichtung und Weißabgleich individuell an, damit die Serie trotz unterschiedlicher Aufnahmebedingungen einheitlich wirkt. Berücksichtige dabei die Aufnahmezeit.
Das Referenzbild macht meine Stilvorstellung konkreter als eine Beschreibung allein. Gleichzeitig sollen unterschiedliche Ausgangsbedingungen berücksichtigt werden. Ein Bild im Schatten benötigt möglicherweise einen anderen Weißabgleich als eine Aufnahme im direkten Sonnenlicht.
Die Ergebnisse dieses Ablaufs sind für meine Ansprüche bereits sehr gut brauchbar. Ich kontrolliere die Serie anschließend auf auffällige Abweichungen und greife bei einzelnen Bildern nach.
Auch spätere gemeinsame Änderungen sind möglich. Wenn mir die fertig entwickelte Serie insgesamt etwas zu zurückhaltend erscheint, kann ich beispielsweise eine moderate Erhöhung von Kontrast oder Sättigung anfordern.
Bei lokalen Korrekturen zeigt mein derzeitiger Aufbau noch Grenzen. Masken automatisch erstellen und gezielt bearbeiten zu lassen, habe ich bisher nicht zuverlässig umgesetzt bekommen.
Ich nutze die KI deshalb zunächst für Empfehlungen:
Welche Maske würdest du bei Bild XY empfehlen, und was würdest du damit korrigieren?
Die Vorschläge setze ich selbst in Lightroom um. So kann ich beispielsweise ausprobieren, ob eine gezielte Aufhellung des Hauptmotivs oder eine Korrektur eines hellen Hintergrundbereichs dem Bild hilft.
Das Entfernen von Objekten funktioniert in meinem Aufbau teilweise bereits, bereitet aber in einigen Situationen noch Probleme. Für eine verlässliche Einschätzung fehlen mir weitere Tests. Diese Funktionen gehören daher noch nicht zu meinem regelmäßig genutzten Ablauf.
Der größte Nutzen liegt für mich in der geringeren manuellen Arbeit. Die Analyse und Bearbeitung laufen nicht immer schnell durch. Trotzdem spare ich Zeit, weil ich weniger Bilder einzeln vergleichen und weniger Einstellungen selbst anpassen muss.
Mein Maßstab sind natürlich entwickelte Einzelbilder und eine stimmige Serie. Besonders wichtige Aufnahmen bearbeite ich bei Bedarf weiterhin genauer. Der beschriebene Ablauf passt zu meinen Ansprüchen; wie viel Nacharbeit andere Fotografen benötigen, hängt von ihren Motiven und ihrem gewünschten Ergebnis ab.
Hinzu kommen die Nutzungslimits von Codex. Der verfügbare Umfang hängt vom Tarif und der Nutzung ab. Es handelt sich nicht einfach um eine feste Laufzeit, während der Codex geöffnet sein darf. Die jeweils geltenden Bedingungen beschreibt die offizielle Übersicht zu Nutzung und Preisen.
Als nächsten Schritt warte ich auf die Möglichkeit, meine Lightroom-Anbindung direkt in ChatGPT und möglichst per Sprache verwenden zu können. In meinem aktuellen Ablauf mit Codex im Terminal gebe ich die Anweisungen noch als Text ein. Die MCP-Verbindung besteht bereits; die gewünschte Nutzung in ChatGPT wäre eine zusätzliche Integration. Daraus würde allerdings nicht automatisch eine unbegrenzte Nutzung entstehen.
Für meinen bisherigen Arbeitsablauf ist die Kombination bereits hilfreich: Die KI unterstützt mich bei der Vorauswahl, entwickelt Bilder nach meinen Vorgaben und hilft dabei, einen Stil über eine Serie hinweg beizubehalten. Die Kontrolle der Auswahl und des fertigen Ergebnisses bleibt aber ein fester Bestandteil meiner Arbeit.
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