Es gibt diese Ausflüge, bei denen man vorher ziemlich genau weiß, was einen erwartet. Man steigt aus dem Bus, läuft ein bisschen durch eine Stadt, schaut sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an und ist ein paar Stunden später wieder zurück auf dem Schiff.
Und dann gibt es diese Tage, auf die man sich schon lange vorher freut. Als wir am 15. August 2026 mit AIDAprima in Haugesund lagen, hatten wir uns ganz bewusst gegen einen klassischen Stadtbummel entschieden. Haugesund selbst wollten wir uns für eine spätere Reise aufheben, denn an diesem Tag zog es uns hinaus in die Natur. Unser Ziel lag rund 50 Autominuten entfernt bei Nedstrand und hieß Himakånå. Ein markanter Felsvorsprung hoch über der Landschaft, der wegen seiner Form oft als die kleine Schwester der berühmten Trolltunga bezeichnet wird. Und genau dort wollten wir an diesem Tag hinauf.
Eine vergleichsweise kurze Wanderung, ein Aussichtspunkt 357 Meter über dem Meer und ein Felsen, der wegen seiner Form gerne auch als kleine Trolltunga bezeichnet wird. Klingt zunächst eigentlich ganz entspannt. Dass wir ein paar Stunden später etwas anders darüber denken würden, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Unsere Tour begann direkt am Kreuzfahrtterminal in Haugesund. Von hier ging es zunächst mit dem Bus hinaus aus der Stadt in Richtung Nedstrand.
Schon diese Fahrt zeigte wieder sehr schön, warum wir Norwegen so mögen. Je weiter wir Haugesund hinter uns ließen, desto ländlicher wurde die Umgebung. Kleine Orte, Wälder, Wasser und immer wieder diese Landschaft, bei der man am liebsten alle paar Minuten aussteigen und die Kamera herausholen möchte.
Nach ungefähr 50 Minuten erreichten wir Hinderåvåg, den Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Die offizielle Route zum Himakånå beginnt hier in der Nähe der Kirche. Zunächst läuft man noch einige hundert Meter über Asphalt, bevor der eigentliche Wanderweg beginnt. Und spätestens ab diesem Punkt wird ziemlich schnell klar, wohin die Reise geht. Nach oben. Und zwar erstaunlich konsequent.
Die große Kamera blieb beim Aufstieg ganz bewusst im Rucksack. Auf einer Strecke, bei der man ständig an Höhe gewinnen musste und ich das Gelände vorher nicht kannte, wollte ich es mir nicht noch zusätzlich schwer machen und permanent die Kamera in der Hand tragen.
Deshalb übernahm die kleine DJI Osmo Pocket 4P diesmal praktisch die komplette Dokumentation unserer Wanderung nach oben. Und zwar nicht nur für die Videoaufnahmen. Auch die Fotos auf dem Weg nach oben entstanden mit der kleinen Kamera. Gerade auf so einer Tour zeigt sich schnell, wie angenehm es sein kann, nur ein kompaktes Gerät griffbereit zu haben, mit dem man spontan filmen oder fotografieren kann, ohne jedes Mal erst den Rucksack absetzen und die große Kamera herausholen zu müssen.
So blieb die eigentliche Kamera zwar die meiste Zeit gut verstaut, die Wanderung selbst wurde aber trotzdem Schritt für Schritt festgehalten.
Auch das Wetter zeigte sich an diesem Tag eher von der typisch westnorwegischen Seite. Es war kühl, feucht und wechselhaft. Für die Region Haugesund wurden an diesem 15. August leichter Nieselregen, Dunst und Schauer in der Umgebung vorhergesagt. Dazu Temperaturen von nur ungefähr 14 bis 15 Grad.
Also kein strahlend blauer Himmel und sicherlich nicht das klassische Postkartenwetter. Für eine Wanderung war das allerdings gar nicht unbedingt schlecht. Bei Sonnenschein und deutlich höheren Temperaturen wäre der Aufstieg vermutlich noch schweißtreibender geworden. Gleichzeitig bedeuteten Nässe und feuchter Untergrund aber auch, dass wir gerade auf den steileren Abschnitten etwas genauer hinschauen mussten, wohin wir unsere Füße setzen.
Und genau diese Mischung aus Steigung, Untergrund und fehlender Routine sollte diese Wanderung für uns noch ziemlich anspruchsvoll machen.
Ich muss dabei auch ganz ehrlich sagen, dass ich ein paar Kilo zu viel mit mir herumtrage. Mehr Körpergewicht macht sich natürlich bemerkbar, wenn man über längere Zeit kontinuierlich bergauf läuft und jeder zusätzliche Höhenmeter Kraft kostet.
Dazu kommt, dass wir solche Strecken aus unserem Alltag schlicht nicht gewohnt sind. Wir leben mitten in Sachsen Anhalt, in einer weitgehend flachen Region. Größere und längere Steigungen begegnen uns dort praktisch nicht und für richtiges Mittelgebirge müssen wir schon in Richtung Harz fahren.
Was für andere vielleicht einfach eine mittelschwere Wanderung ist, wurde für mich deshalb ziemlich schnell zu einer echten Herausforderung. Und je länger es bergauf ging, desto deutlicher wurde uns, dass wir diese gut 300 Höhenmeter auf so kurzer Strecke vorher etwas unterschätzt hatten.
Für unsere geführte Tour waren rund 2,2 Kilometer bis zum Himakånå angegeben. Hin und zurück also ungefähr 4,4 Kilometer. Das klingt erst einmal nach einer überschaubaren Wanderung. Der entscheidende Punkt steckt allerdings weniger in der Entfernung als im Höhenprofil.
Vom Ausgangspunkt geht es über weite Teile der Strecke nahezu ständig bergauf. Je nach zugrunde gelegter Route kommen dabei etwas mehr als 300 Höhenmeter zusammen. Der Himakånå selbst liegt schließlich auf rund 357 Metern Höhe.
Die ersten Meter über den Asphalt lassen sich noch relativ entspannt laufen. Doch schon bald wird aus dem gemütlichen Spaziergang ein ziemlich kontinuierlicher Anstieg.
Ein großer Teil der Strecke führt über einen breiten Schotterweg. Technisch besonders schwierig ist das nicht. Man muss also nicht klettern und auch keine ausgesetzten Passagen überwinden. Das Problem ist viel einfacher. Es geht steil hoch und noch weiter hoch.
Und wenn man glaubt, dass es gleich etwas flacher werden müsste, geht es meistens noch ein bisschen weiter hoch.
Offiziell wird die Wanderung als mittelschwer eingestuft und für Menschen mit normaler Kondition als gut machbar beschrieben. Und das ist sicherlich auch richtig.
Aber solche Einstufungen haben einen kleinen Haken: Kondition ist etwas sehr Individuelles. Wir merkten jedenfalls ziemlich schnell, dass wir diese Wanderung unterschätzt hatten. Vor allem die langen, steilen Abschnitte machten mir deutlich mehr zu schaffen, als ich vorher erwartet hatte. Während man bei vielen Wanderungen zwischendurch immer wieder längere flache Passagen findet, auf denen sich der Puls etwas beruhigen kann, fehlten diese Erholungsphasen hier fast komplett.
Irgendwann war deshalb auch mit großartiger Moderation während des Laufens nicht mehr viel. Für die Kamera reden und gleichzeitig versuchen, wieder halbwegs Luft zu bekommen, erwies sich als eher schwierige Kombination. Also blieb die Kamera zwar dabei, viele Erklärungen mussten später aber aus dem Off kommen.
Irgendwann kam dann tatsächlich der Punkt, an dem ich darüber nachdachte, die Wanderung abzubrechen. Nicht aus irgendeinem dramatischen Grund. Es gab keinen Sturz, keine Verletzung und auch keine gefährliche Situation. Es war schlicht anstrengend. Richtig anstrengend.
Und wenn man schon eine ganze Weile bergauf läuft, gleichzeitig aber noch nicht weiß, wie viel davon eigentlich noch vor einem liegt, beginnt der Kopf irgendwann seine ganz eigenen Rechnungen aufzustellen. Zum Glück hatten wir zwei Guides dabei, die immer wieder motivierten. Und dann gab es noch einen kleinen technischen Motivator am Handgelenk. Meine Apple Watch. Immer wieder konnte ich dort sehen, wie viele Höhenmeter bereits geschafft waren. Plötzlich war aus einem gefühlten „Das kann doch noch ewig so weitergehen“ ein ganz konkreter Wert geworden.
Und irgendwann waren eben mehr Höhenmeter hinter uns als vor uns. Ab diesem Moment war Aufgeben eigentlich keine echte Option mehr.
Was man beim Aufstieg zunächst nur zwischen Bäumen und entlang des Weges erahnen kann, wird mit zunehmender Höhe immer beeindruckender. Der Wald öffnet sich häufiger, die Landschaft wird weiter und langsam bekommt man einen Eindruck davon, warum dieser vergleichsweise kleine Berg so viele Menschen anzieht.
Unterhalb des Himakånå liegt der Lysevatnet, eingebettet zwischen bewaldeten Berghängen. Dahinter öffnet sich die Landschaft in Richtung Nedstrandsfjord und Ryfylke. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wurde der Blick schöner.
Und damit wurde natürlich auch die Motivation größer. Der letzte Abschnitt führt schließlich über einen schmaleren Wanderweg durch Birkenwald und offene Landschaft. Nach all den langen Anstiegen merkt man plötzlich, dass das Ziel tatsächlich nicht mehr weit entfernt sein kann. Noch ein paar Meter. Noch einmal bergauf. Und dann steht man plötzlich dort.
Der Himakånå selbst ist keine riesige Felsplattform. Im Gegenteil. Verglichen mit der Trolltunga ist alles deutlich kleiner und unspektakulärer dimensioniert. Aber genau das macht diesen Ort vielleicht auch so besonders.
Der markante Felsvorsprung ragt über der Landschaft hinaus und bietet einen beeindruckenden Blick über Lysevatnet, den Nedstrandsfjord, Wälder, Berge und verstreute Höfe. Und plötzlich sind die vorherigen Höhenmeter ziemlich schnell vergessen. Wir ließen uns oben bewusst Zeit.
Natürlich entstanden Videoaufnahmen für unseren Film und auch die große Kamera kam oben zum Einsatz. Aber irgendwann muss man die Kamera eben auch einmal Kamera sein lassen. Also machten wir Fotos für uns selbst, schauten einfach nur hinaus in die Landschaft und genossen diesen Moment.
Denn genau dafür waren wir schließlich hier hochgelaufen. Und vielleicht fühlt sich eine Aussicht tatsächlich noch ein bisschen besser an, wenn man unterwegs mindestens einmal ernsthaft darüber nachgedacht hat, ob man sie überhaupt erreichen wird.
Himakånå wird häufig als kleine Schwester der Trolltunga bezeichnet. Natürlich kann man verstehen, woher dieser Vergleich kommt. Beide Orte besitzen einen markanten Felsvorsprung, beide liegen hoch über einer spektakulären norwegischen Landschaft und beide sind beliebte Fotomotive. Trotzdem hat Himakånå seinen ganz eigenen Charakter.
Hier schaut man nicht auf einen einzelnen großen Fjord, sondern auf eine abwechslungsreiche Landschaft aus See, Fjord, Wäldern, Bergen und kleinen Siedlungen.
Auch die Wanderung ist deutlich kürzer und damit für wesentlich mehr Menschen erreichbar. Kurz bedeutet allerdings nicht automatisch leicht. Das hatten wir inzwischen gelernt.
Was man bergauf irgendwann verflucht, wird bergab natürlich zum Vorteil. Der Rückweg führte über dieselbe Strecke wieder nach Hinderåvåg.
Jetzt mussten wir keine Höhenmeter mehr erkämpfen. Trotzdem verlangten die steilen Abschnitte noch einmal Konzentration. Gerade auf Schotter und bei feuchtem Untergrund ist bergab nicht unbedingt automatisch entspannter.
Aber der entscheidende Unterschied war im Kopf. Wir hatten es geschafft. Der Felsen, zu dem wir ein paar Stunden zuvor nur hochgeschaut hatten, lag nun hinter uns. Zurück am Ausgangspunkt wartete bereits unser Transport und es ging wieder Richtung Haugesund und zurück zur AIDAprima.
Müde? Definitiv. Aber auch ziemlich zufrieden.
Im Nachhinein war diese Wanderung wahrscheinlich gerade deshalb so besonders, weil sie eben nicht ganz so gelaufen ist, wie wir es vorher erwartet hatten.
Auf dem Papier wirken rund 4,4 Kilometer und etwas mehr als 300 Höhenmeter zunächst nicht besonders dramatisch.
In der Realität kommt es aber darauf an, wie diese Höhenmeter verteilt sind, wie steil der Weg ist, welches Wetter herrscht und natürlich, mit welcher eigenen Kondition man unterwegs ist.
Für uns wurde der Himakånå jedenfalls deutlich anstrengender als gedacht. Vielleicht sogar unser kleiner Endgegner an diesem Tag. Aber genau deshalb würden wir diesen Ausflug nicht missen wollen. Denn irgendwann geht es beim Reisen eben nicht mehr nur darum, einen weiteren Ort gesehen oder einen weiteren Aussichtspunkt fotografiert zu haben. Man erinnert sich an die Momente, in denen man kämpfen musste.
An den Gedanken, vielleicht doch umzudrehen. An die Menschen, die sagen: Komm, das schaffst du noch. Und an den Augenblick, in dem man schließlich oben steht, zurück auf den Weg schaut und weiß:
Doch. Wir haben es geschafft. Und genau solche Tage bleiben am Ende hängen.
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